Jugendförderung durch Musik

JugendgruppeSchlossPaffendorfWir freuen uns, dass Sie sich für uns und die Methode, nach der wir junge Menschen an die Musik heranführen, interessieren. Mit diesem Artikel möchten wir Ihnen einige positive Einflüsse der Musik auf die menschliche Entwicklung darstellen. Bei uns werden i. d. R. Bücher der Reihe „Yamaha BläserKlasse – Essential Elements“ eingesetzt. Diese Reihe ist speziell für Blasinstrumente konzipiert worden und zwar für den schulischen Unterricht; doch jahrelange Erfahrung hat gezeigt, dass dieses Konzept auch beim Musikverein „Blau-Weiss“ Quadrath-Ichendorf hervorragend funktioniert. Es entfallen hier zwar einige Prämissen der Instrumentalausbildung – z. B. dass die Neulinge gemeinsam angeleitet werden und somit die Besseren den Schwächeren helfen – doch diese werden später bei den Orchesterproben ausgebaut bzw. aufgeholt. Als erstes wird hierbei die musikalische Elementarlehre vermittelt; eine solide Grundlage der Musiktheorie ist auch für Amateure wichtig.

 

Musik – die universelle Sprache

Musik wird oft als reine und zweckfreie Kunst angesehen; sie ist zwar weit verbreitet, dient aber lediglich der Unterhaltung. Außerdem macht sie evolutionär gesehen anscheinend keinen Sinn, wird aber auf der gesamten Welt verstanden. Wiegenlieder z. B. sind in allen Kulturen ähnlich: langsame, absteigende und einfache Tonfolgen.
Gemeinschaftliches Musikmachen ist sogar eine höchst anspruchsvolle Aufgabe für das Gehirn; hier werden sämtliche kognitiven Prozesse beansprucht. Musizieren beinhaltet Wahrnehmung, Handlung, Lernen, Gedächtnis, Emotion, soziales Verhalten usw. Wenn jemand Musik hört, wird das Gehörte in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns verarbeitet. Sie kann daher sowohl zu therapeutischen Zwecken, als auch zur Beruhigung bzw. Stimulation verwendet werden.
Eine Anekdote von Aristoteles belegt dies: Einst flanierte er am Strand und beobachtete eine Gruppe, die sich zu anregender, schneller Musik vergnügte. Plötzlich schlug die Stimmung um; es kam zu Streit, eine Schlägerei drohte. Schnell ging er zu den Musikern und bat diese, langsame, beruhigende Musik zu spielen. Innerhalb kürzester Zeit beruhigte sich die Stimmung wieder und sie konnten weiter zusammen feiern.

 

Geschichte der Musikpädagogik

Früher waren Instrumente viel teurer als heutzutage – betrachtet man das Verhältnis von Preis zum Einkommen des Einzelnen. Daher wurde vorwiegend mit dem natürlichsten aller Instrumente musi-ziert: der eigenen Stimme. In der „musischen Erziehung“ der 1920er-Jahre wurde eine umfassende musikalische Bildung angestrebt; eine Einheit von Singen, instrumentalem Musizieren und Tanzen.
Unter dem NS-Regime diente der Musikunterricht dagegen in erheblichem Maße der politisch-ideologischen Indoktrination. Auch hier spielte das Instrument im schulischen Bereich keine wesentliche Rolle. Nur durch entsprechende Texte konnten Kinder und Jugendliche manipuliert  werden.
In der Nachkriegszeit fand der Musikunterricht oft als Gegengewicht zu den wissenschaftlichen  Fächern statt. Auch hier lag, wie bereits in den 1920er-Jahren, der Schwerpunkt eindeutig bei der  Stimme. Es wurde gesungen; eine theoretische Auseinandersetzung mit der Musik entfiel jedoch  meistens.

Erst in den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erschienen Zeitschriften mit der Intention,  populäre Musik für den Musikunterricht nutzbar zu machen. Ein anderer Zugang zur Musik wurde  durch Keyboards entwickelt: hierbei stand eher die Verwendung des Instruments als Lernwerkzeug im  Vordergrund, nicht das Erlernen dieses Instruments.
In den 1990er-Jahren wurde dann schließlich ein methodischer Ansatz entwickelt, der das Musizieren  mit Orchesterblasinstrumenten als Grundlage hatte. Diesem methodischen Ansatz fühlt sich das  Unterrichtswerk verpflichtet, das bei uns verwendet wird.

 

Auswirkung auf die Sozialkompetenz

Handlungsorientierter Musikunterricht ist der Königsweg der Motivationsförderung in Richtung auf  wachsende Einsicht in die Selbstwirklichkeit! Zu diesem Schluss gelangen Beck und Fröhlich in ihrer  Studie „Musik machen und verstehen – Psychologische Aspekte des handlungsorientierten Musikunterrichts  im Klassenverband“. Hier wird also neben der musikalischen Leistung auch eine positive  Einstellung zum Musizieren und zur Musik gefördert.

Eine empirische Untersuchung in Bläserklassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 und ihren Parallelklassen  bestätigte den positiven Einfluss von Musik auf das Lernvermögen. Maike Fuchs stellte in dieser  Untersuchung fest, dass diese Bläserklassen deutlich besser abschnitten als ihre Parallelklassen.  Hierbei ist auch das soziale Klima einer solchen Klasse i. d. R. besser als bei Kontrollklassen.
Sie begründet dies in ihrer Untersuchung „Macht Musik den Unterschied?“ folgendermaßen: Nur so ist  eine entsprechend schnelle Kompensation von Unterschieden im Bereich der musikalischen Vorbildung  möglich. Da jeder einzelne Musiker eine wichtige Rolle im Orchester spielt, wird auch eher auf  einen Kollegen Rücksicht genommen, denn ohne eine solche Rücksichtnahme kann keine Gruppe
zusammen musizieren.

Andererseits wird auch die Selbstdisziplin gefördert: tägliches, selbständiges Üben – wobei eine viertel Stunde pro Tag mehr bringt als einmal eine Stunde in der Woche – und wöchentliche Orchesterproben sind ein Muss. Allerdings können diese Erfolge nicht über Nacht eintreten – es wird schon ein gewisses Durchhaltevermögen benötigt. Dies widerspricht jedoch dem Zeitgeist, innerhalb kurzer Zeit viele Aktivitäten kennenzulernen, um diese völlig desorientiert nach kurzer Zeit wieder aufzugeben.
Bedingt durch die besseren Kommunikationsfähigkeiten und –möglichkeiten werden Kinder und Jugendliche auch nicht so häufig straffällig, wie „Nicht-Instrumentalisten“. Dies wurde bereits unter dem ehem. Landtagsabgeordneten des damaligen Erftkreises, Klaus Lennartz, festgestellt. Von daher könnte musikalische Bildung auch der Gewaltprävention dienen.

 

Auswirkung auf das Lernvermögen

Musikbezogene Erfahrungen und das Verstehen von Musik findet lt. Wikipedia an allgemeinbilden-den Schulen in Deutschland und Österreich immer weniger statt: Die Praxis der Musikpädagogik hat in diesem Bereich eine deutliche Krise. Zum Teil ist dies selbstverschuldet, etwa aufgrund einer immer noch starken Fixierung auf „klassische“ Bildungsinhalte oder durch die Anbiederungsversuche an die Schüler mit einem reinen Pop-Hit-Unterricht.
Zum Teil ist das gesellschaftliche Umfeld hierfür verantwortlich, denn das Fach Musik hat bei Eltern, Schülern und Politikern einen zunehmend geringen Stellenwert: Stunden werden gestrichen, Lehrer fehlen, das Fach Musik wird abgewählt oder nicht mehr angeboten. Musikalische Sozialisation beschränkt sich zunehmend auf den Konsum eines kleinen Ausschnittes populärer Musik.

Dies dokumentiert sich auch im Bereich der privaten und öffentlichen Musikschulen, die hierzulande häufig von Schließungen bedroht sind. Hier ist trägt die wirtschaftliche Gesamtsituation jedoch eine große Mitschuld. Der Musikverein „Blau-Weiss“ Quadrath-Ichendorf 1972 e. V. ist dagegen als gemeinnützig anerkannt und basiert auf dem persönlichen Engagement seiner Mitglieder.

Dass Musik unmittelbaren Einfluss auf das Gehirn hat, wird an Alzheimerkranken deutlich. Bei ihnen rufen Musikstücke aus ihrer Jugend, wenn diese vorgespielt werden, oft Erinnerungen wach, die längst vergessen schienen. Die genaue Funktionsweise dieser Prozesse ist leider noch nicht genau untersucht – Belege für medizinische Wirkungen von Musik sind daher rar.

Ein weiterer Beweis, dass Musik das Gehirn beeinflusst: sie kann Menschen bis zu Tränen rühren. Warum bewegt sie uns so stark, dass kaum ein Film, kaum ein Werbespot mehr darauf verzichten mag? Kinder beruhigt man mit Liedern. Bei manchen Sportveranstaltungen wird Musik eingesetzt, um die Massen aufzupeitschen. Diese Effekte benennt Dr. Norman M. Weinberger in seinem Artikel für ‚Spektrum der Wissenschaft‘ als Einleitung.

Da das Gehirn plastisch und formbar ist, hinterlässt Musik aber auch Spuren. Wenn ein Mensch Töne hört, reagiert ein ganz bestimmter Teil des Gehirns. Bei Profi-Musikern ist dieser Teil, die so genannte Heschl-Querwindung, besser ausgebildet als bei unmusikalischen Menschen. Bei den Profi-Musikern darunter war die Heschl-Querwindung besonders aktiv und besonders groß. Unmusikalische Menschen reagierten weit weniger auf die Töne, und ihre entsprechenden Gehirnwindungen waren weit weniger ausgebildet. Amateur-Musiker rangierten zwischen den beiden Gruppen.

Ausgeprägter Kontakt zu Musik während der Jugend könnte dabei einen Trainingseffekt haben – so vermuten die Wissenschaftler. Dies bedeutet, dass Musik die Fähigkeiten und Entwicklung des Gehirns positiv beeinflusst.
In zahlreichen musikpsychologischen Studien beschäftigten sich Wissenschaftler mit den Wirkungen der Musik auf kognitive Fähigkeiten, d. h. die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Daher ist allgemein anerkannt, dass sich beim Umgang mit Tönen und Melodien das Gehirn besser entwickelt. Dabei stellten amerikanische Wissenschaftler fest, dass sogar lediglich das Hören von Musik die Intelligenz und Ausdrucksfähigkeit anregt – festgestellt wurde dies jedoch bei Musik von Mozart.
Sicher ist auch, dass beim Notenlernen abstraktes und räumliches Denken gefördert wird. In verschiedenen deutschen und österreichischen Studien wurde bewiesen, dass Kinder, die ein Instrument spielten, durchaus intelligenter, motivierter und damit besser in der Schule sind, als solche, die dies nicht konnten.

Kinder mit Instrumentalpraxis sind auch ausgeglichener und kommunikativer – ihr Leben ist auch viel reicher. Denn wie sagte Margot Hielscher, eine Leinwand-Legende der 1950er-Jahre: „Ein Leben ohne Musik ist ein Irrtum!“

 

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Eine kleine Auswahl an Musikinstrumenten, die im Musikverein gespielt werden

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